South Carolina BeachEs gibt ein Land, in dem man jeden Tag einen anderen Golfplatz spielen kann. Die meisten davon liegen an einer 350 Kilometer langen Traumküste. South Carolina heißt die Verheißung, das beliebteste Reiseziel für Golfer in den USA. Und zwar zu jeder Jahreszeit.

 

Es ist gar nicht so verkehrt, sich vor einer ersten South Carolina-Reise den Kinoklassiker „Vom Winde verweht“ anzuschauen. Die Bilder decken sich meist mit dem, was man dort vorfindet. Baumwoll- und Reisplantagen mit Auffahrten, die von riesigen Eichen gesäumt sind. Stattliche Herrenhäuser mit ihren charakteristischen weißen Säulen und Veranden, auf denen sich knarrend Schaukelstühle wiegen.

Litchfield Plantation

Geschichtsträchtiges Land, geheimnisvolle Wälder, endlose Strände und sumpfige Marschen, Heimat für exotische Tier- und Pflanzenarten. Passende Kulissen für Hollywood. Die Shrimps in „Forrest Gump“ wurden dort gefischt, das Bürgerkriegs-Epos „Fackeln im Sturm“ am Originalschauplatz gedreht, Golfer haben die „Die Legende von Bagger Vance“ in bester Erinnerung. Denn vor allem ist South Carolina gelobtes Golfland. Angefangen hat dies alles 1786, als der erste Golfclub Amerikas in Charleston gegründet wurde. Aus dieser Zeit stammen die noblen Antebellum-Villen und bezaubernden Gärten, die auch heute noch vom Glanz und Reichtum der Kolonialherrschaft erzählen, als das prächtige Charleston Hochburg der alten Pflanzeraristokratie war und – das ist die Kehrseite der Medaille – wichtigster Sklavenmarkt Nordamerikas. Doch das ist längst vorbei. Geblieben ist eine romantische Stadt, durch die man, ganz wie in Europa, gemütlich bummeln kann und die idealer Ausgangspunkt ist, für eine Reihe großartiger Golfanlagen.

Kiawah Island, 20 Meilen südlich von Charleston, ist zweifellos eine der exklusivsten Anlagen im „Palmetto State“, vielleicht sogar der ganzen USA. Einst bewohnt von den Kiawah Indianern, die friedliche Jäger und Fischer waren, sieht die Natur noch heute aus, wie am ersten Tag der Schöpfung. Ein durch die Gezeiten ständig wechselndes Mosaik von Wasser und Sand, stattliche Eichenbäume, hohe Pinien, Palmen und Magnolienbäume. Mittendrin das ultra-luxuriöse „The Sanctuary Hotel & Spa at Kiawah Island“, das für sich beansprucht, das beste Strandhotel der USA oder wenigstens der Ostküste zu sein. Für Golfer wichtig: es liegt umrahmt von fünf Plätzen, die alle der Feder berühmter Golfplatz-Architekten entstammen.

Kiawah Island, Oak PointTurtle Point wurde von keinem Geringeren als Jack Nicklaus entworfen. Gekonnt hat er Marschen und Dünen in sein Design mit ein- bezogen. Osprey Point ist eines von Tom Fazio’s besten Werken. Cougar Point reflektiert die Annäherung zum Spiel seines Designers Gary Player. Akkurat platzierte Bälle sind notwendig bei 10 Wasser- hindernissen, meilenweiten Marschen, einer stattlichen Anzahl von Bunkern und meist kleinen Grüns. Oak Point, der jüngste Kurs von Kiawah Island, liegt eigentlich schon vor der Brücke die zur Insel führt, auf dem Grundstück einer alten Indigo- und Baumwoll- plantage. Clyde Johnston hat dem Kurs einen schottischen Charakter verpasst und laut Golf Digest gehört er zu den „places to play“.

 

Der „Platz der Plätze“ von Kiawah Island, ja vielleicht von ganz South Carolina, ist The Ocean Course. Im Ranking der Best Public Course List der USA belegt er den 4. Platz. Architekt Pete Deye hat seine Eindrücke beim Bau des Platzes, in einem Buch mit dem Titel „Bury me in a Pot Bunker“ niedergeschrieben. Er erzählt, wie er 1988 den Auftrag bekam, einen Platz zur Austragung des Ryder Cup auf Kiawah Island zu bauen, weil die östliche Zeitzone es auch europäischen Fernsehzuschauern erlauben würde, die Spiele während der Hauptsendezeit zu verfolgen.  Kiawah Island Ocean Course

„Es war das erste Mal in der Geschichte, dass dieses berühmte Turnier auf einem Platz angekündigt wurde, der noch gar nicht existierte und es waren weniger als zwei Jahre Zeit, diesen Platz so zu bauen, dass er es wert war, diesem Turnier gerecht zu werden“, schreibt Dye. Doch als er zum ersten Mal nach Kiawah kam, erzählt er, hätte er sich sofort in die raue Schönheit der Insel verliebt und sich mit Eifer in die Arbeit gestürzt. „Ich fühle mich wie ein Kind mit einem Lollipop“, schrieb er einem Freund. 1991 war sein Werk vollendet und auf dem Ocean Course fand der legendäre Ryder Cup statt, der mit dem letzten Putt von Bernhard Langer an die US-Boys verloren ging. 2012 war der Ocean Course wiederum Schauplatz großer Emotionen, als der junge Ire Rory McIlroy während der PGA Championships mit einem Birdie am Schlussloch und einer grandiosen 13 unter Par den Sieg einfuhr.

WildDunes-TheLinksAuch das Wild Dunes Resort auf der „Isle of Palms“ ist von Charleston aus in wenigen Minuten zu erreichen. Die beiden Plätze dort, entworfen von Tom Fazio, sind eine echte Herausforderung. Beim Harbor Course ziehen sich allein 9 Löcher entlang des Intracostal Waterway, Golfern bekannt, als längstes Wasserhindernis der Welt. The Links wird von Golfern wegen der beiden Abschluss- löcher, die direkt am Strand entlang laufen, gerne als Pebble Beach der Ostküste bezeichnet.

Die 17, ein Par 4, gilt als schönstes Loch. Ein enges Fairway, links von weißen Dünen begrenzt, rechts von einer out-of-bounds Zone. Man braucht zwei kräftige, genau gezielte Drives, wobei das Grün beim ersten Abschlag noch nicht zu sehen ist. Von daher kann man zufrieden sein, wenn der Ball überhaupt auf dem Fairway landet.

Hilton Head Island-HarbourTown

Berühmt ist der Harbour Town Golf Links Course vom Sea Pines Resort auf Hilton Head Island. Hier finden seit 1969 jedes Jahr im April das Verizon Heritage Turnier der PGA Tour statt. Dann ist die Insel fest in Golferhand, die noch zwei weitere prominente Meisterschaftsplätze bietet.

Herrliche Kurse im Süden von Charleston, doch das wahre Golf-Eldorado von South Carolina befindet sich im Norden des Staates. An der 96 Kilometer langen Küste des „Grand Strand“, rund um Myrtle Beach, werden auf über 100 Meisterschafts- Plätzen jährlich weit mehr als 4 Millionen Runden Golf gespielt. Das „DuPont World Amateur Handicap Tournament“, eines der größten Amateurturniere der Welt, findet hier statt. Nicht zu Unrecht bezeichnet sich diese Region als „Seaside Golf Capital of the World“.

CALDONIA GCEiner der schönsten Golfplätze ist der Caledonia Golf & Fish Club, ein Kurs, der durch seinen Liebreiz (wenn man das von einem Golfkurs überhaupt sagen kann) fleißig Auszeichnungen gesammelt hat. Architekt Mike Strantz hat ihn gekonnt in die malerische Landschaft integriert, mit Blumen an den Tees, kleinen Seen und uralten Eichen, braucht er sich vor Augusta National im benachbarten Georgia nicht zu verstecken.

True Blue GCBeim Schwesterkurs True Blue weiß man nicht so genau, für was das „true“ steht. Die Bälle jedenfalls, sind es dort nicht. Die verschwinden gerne in einem etwas wilden aber schönen Gelände. Tidewater ist ein weiterer Platz, den man gespielt haben sollte. Einige der Fairways führen entlang des Intracostal Waterway, einige sind von hohen Pinien gesäumt. Und trotz eines von Menschenhand geschaffenen Layouts, findet man auch hier eine intakte, ursprüngliche Natur mit einer artenreichen Fauna. Dort steht ein Reiher in majestätischer Ruhe, Schildkröten und Alligatoren sonnen sich auf der Uferböschung, Rehe, Opossums und Eichhörnchen mit Augenringen wie Waschbären, verstecken sich hinter Bäumen, in denen es speziell zum Abend hin, nur so von Vögeln wimmelt.

Grand Dunes GCAuch der grandiose Tournament Players Club, Austragungsplatz der PGA Seniors Tour, liegt um die Ecke von Litchfield Plantation. Er ist einer von South Carolinas Spitzenkursen und wird von den Tourspielern aufs Höchste gelobt. Für ein modernes Par 72-Layout ist er mit 6950 Yards nicht besonders lang, doch die Feuchtgebiete an manchen Löchern erfordern kräftige Drives. Dazu mehr als 70 Bunker, die meisten von ihnen sind zur Verteidigung der mittelgroßen Grüns angelegt. Hier wird großes Golf verlangt.

Einer der sich bestens auskennt mit PGA Championship- und U.S. Open-Kursen ist der Golfplatzarchitekt Roger Rulewich. In Myrtle Beach hat er mit seinem Team den großartigen Grande Dunes angelegt und es versteht sich von selbst, dass dieser Platz ebenfalls Meisterschafts- qualitäten hat, so wie weitere, mehr als 320 grandiose Anlagen. Da bekommt man doch glatt Lust zu einem echten Golf-Marathon.