sydney-operaFjorde, Gletscher, Vulkane und Geysire bilden die Kulisse zu einigen der schönsten Golfplätze der Erde. Während wir rund um Neuseeland und Australien per Schiff die Fairways ansteuern, putten wir noch ein wenig auf Deck 9.

Küste vor Kauri Cliffs, Neuseeland

Auckland interessiert die Passagiere wenig. Sie haben keinen Blick für die Stadt, die auf 48 erloschenen Vulkanen erbaut wurde, mit bis ins Zentrum reichenden Parkanlagen, geschützten Meeresbuchten und einem Hafen, über den sich eine imposante 1000 Meter lange Brücke spannt. Ihre Augen richten sich einzig und allein auf die MS Europa, die vom Berlitz Cruise Guide 2009 zum neunten Mal in Folge als einziges Kreuzfahrtschiff weltweit mit 5-Sternen-plus ausgezeichnet wurde.

Jeder hat es eilig an Bord zu kommen, die Suite zu beziehen. Dann hinaus auf den eigenen Balkon – alle Suiten auf der Europa haben einen Balkon – oder per Lift hinauf aufs Lidodeck. Nur nicht das Auslaufmanöver verpassen. Später dann, zum Abendessen bei Kaviar und Gänsestopfleber ist man bereits auf offener See, sieht durch die Panoramafenster die Sonne glutrot im Meer versinken und diskutiert mit dem Tischnachbarn über Fragen wie: Wenn die Erdrotation Teilchen auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links bewegt – würde sich dann ein Putt, gespielt in Down Under, andersherum ins Loch drehen als in Europa? Des Rätsels Lösung war nicht mehr fern.

Rettungsmanöver und Wellness Supreme Doch zunächst nimmt das Bordprogramm seinen Lauf. Die Schiffssirene ruft zum obligatorischen Rettungsmanöver. Rund 500 Gäste und Mitglieder der 275 Personen zählenden Mannschaft versammeln sich auf dem Lidodeck, alle in Schwimmwesten. Ein ziemliches Gewimmel, doch jeder findet sofort seinen Platz. Und Gott sei Dank kommt es zu einem solchen Massenauflauf nur selten während der Reise: zum einen während der Abendshows in der Europa Lounge, zum anderen bei der Einfahrt in den Hafen von Sydney, mit Oper und Harbour Bridge als Kulisse, und natürlich bei der Farewell Party, wo der Käpt’n alte Seemannslieder singt.

Dazwischen sieht man immer nur einen kleinen Teil der Passagiere. Zu den Mahlzeiten verteilen sie sich auf vier Restaurants, eilen danach zum „Body Conditioning“ im Fitness Center, genießen „Wellness Supreme“ im Spa, tauchen ab im 20 Meter langen Pool, spielen Shuffleboard, Bridge, Bingo oder Schach, nehmen am Mal- oder am Tanzkurs teil, besuchen Vorträge oder Vernissagen, lauschen romantischer Klaviermusik beim Afternoon Tea, erkundigen sich beim Concierge oder am Touristik Desk nach den nächsten Landausflügen, während einige auf Deck 9 verschwinden, um mit Hilfe eines Golflehrers an ihrem Schwung zu feilen. Modernstes Equipment steht zur Verfügung: Simulator, Videoanalyse, Fitting-Station und Outdoor-Abschläge. Ein weiterer Pro begleitet die Gäste zum Golf spielen an Land.

GC_KAURI_CLIFFS, Neuseeland

Kauri Cliffs. Über die Nordspitze Neuseelands erreicht die Europa den Pazifik und ankert in der Bay of Islands. Wallstreet-Magnat Julian Robertson hat sich hier seinen Traum vom absoluten Golfplatz erfüllt. Allein bei fünfzehn Bahnen des Par 72-Kurses blickt man aufs Wasser, nicht selten schlägt man über Klippen. Mit einer Länge von 6510 Metern und einem Slope von 144, ist der Kurs ungefähr so anspruchsvoll wie Pine Valley, der als schwerster Platz in Amerika und als Nr. 1 in der Weltrangliste gilt. Kauri Cliffs hat es erst auf den 58. Platz geschafft, genießt aber bereits  jetzt schon einen Status wie das kalifornische Pebble Beach: mit ähnlichem Habitus, Allüren und Preisen von 250 Euro Green Fee. Doch das alles spielt keine Rolle, sobald man auf dem Platz steht.

GC_Cape_Kidnappers, Neuseeland

Cape Kidnappers. Da Julian Robertson kein Mann ist, der gerne auf einem Bein steht, hat er seinen Traum vom absoluten Golfplatz um einen zweiten Kurs ergänzt, der noch fantastischer als Kauri Cliffs ist. Kurs-Designer Tom Doak, das neue Wunderkind unter den Golfplatzarchitekten, jedenfalls sagt: „Wenn Cape Kidnappers ein Buch wäre, ich würde es als Epos beschreiben“. Ein Bühnenstück, in dem sich Poesie und Drama abwechseln. Ein Meisterstück mit magischer Anziehungskraft, das sich wohl über das verblüffendste Stück Land ausdehnt, das jemals zum Bau eines Golfplatzes verwendet wurde. Hoch über der Bucht von Hawke´s Bay, strecken sich wie die Finger einer Riesenhand, massive Fels- und Erdformationen ins Meer hinaus. Aus der Vogelsperspektive betrachtet, scheint es unmöglich, auf diesen Klippen Golf zu spielen. Doch andererseits, wo sonst, kann man seinen Ball so lange in der Luft halten: Wenn der Wind ihn über die Felsenkante trägt, braucht er mindestens noch einmal 10 Sekunden, um im 150 Meter tiefer liegenden Pazifik zu verschwinden. Da könnte einem glatt schwindlig werden, auch bei der Höhe des Green Fees von rund 280 Euro. Doch der Par 71-Kurs, eröffnet 2004, rangiert bereits auf Platz 27 der Weltrangliste und aus der Nähe betrachtet, verstecken sich hinter dem dramatischen Layout meist Löcher, die fair zu spielen sind.

GC_Para_4th_green, Neuseeland

Paraparaumu Course. Über Nacht erreicht unser Schiff die Cook Strait und Wellington, die Hauptstadt von Neuseeland. In ihrem Norden, eingebettet in einen Dünenlandschaft, liegt der Paraparaumu Beach Links Golf Club, der lange in der Top 100-Liste der weltbesten Plätze zu finden war und zwölf mal die Neuseeland Open zu Gast hatte. Anspruchsvoll ist dieser Platz, mit welligen Fairways, einschüchternden Bunkern, struppigem Rough und blitzschnellen Grüns. Das musste auch Tiger Woods feststellen, als er hier 2002 bei der Neuseeland Open spielte. Der Paraparaumu Course ist übrigens der Heimatclub seines Caddies Steve Williams.

KiwiBis zum nächsten Ankerplatz, sind es noch 403 Seemeilen. Die atemberaubende Kulisse der Kaikuro Bay, bietet den perfekten Hintergrund für einen entspannten Seetag und Zeit zum Wale beobachten, bis wir den südlichsten Punkt Neuseelands erreichen. Stewart Island, ist eine kleine Insel mit nur 400 Bewohnern, die hauptsächlich von Fischfang und Lachszucht leben. Idylle pur, mit einer kaum gestörten Tier- und Pflanzenwelt. Nicht viele Touristen verirren sich auf dieses Eiland, das immerhin zwei Attraktionen aufweisen kann: den südlichsten Golfplatz der Erde und den Kiwi, den vom Aussterben bedrohten neuseeländischen Nationalvogel, den man bei einem Spaziergang durch das gebirgige, waldreiche Inselinnere, beobachten kann.

EUROPA_Zodiac Nach dem Pazifik wechseln wir in die Tasmanische See, kreuzen Richtung Nordwest, entlang des Fjordland Nationalparks. Ein Meisterwerk der Schöpfung, mit paradiesischen Landschaften, die teilweise noch nie von Menschen betreten wurden. Mystische Nebel wabern vor Bergketten, von deren steilen Höhen sich tosende Wasserfälle ins Meer stürzen, und die bis zum Meeresrand mit dichtem Regenwald bewachsen sind. Die Schiffs-Crew lässt die Tenderboote ins Wasser, zu Ausflügen durch den verwunschenen Milford Sound, den Dusky-, Charles- und George-Sound.

Eigentlich sollte man denken, dass uns danach James Last, der ebenfalls an Bord ist, mit seinem Sound erfreut. Der „Gentleman of Music“ (und begeisterter Golfer), hat sich jedoch eine ganz andere Überraschung für die Gäste der Europa ausgedacht. Er kreiert ein Menü, das am Abend serviert wird, als wir den Milford Sound verlassen. Aber da haben wir bereits Windstärke 10 und fünf Meter hohe Wellen, und die Hälfte der Gäste ernährt sich lieber von Zwieback und Tee. Sorry James! Vielleicht beim nächsten Mal.

Tasmanischer Teufel. Mehr als zwei Tage, dauert die etwas unruhige Überfahrt nach Tasmanien. Dann endlich, ist wieder Land in Sicht und die meisten freuen sich auf einen Spaziergang durch den Bonorong-Wildpark, in der Hoffnung, nicht nur die Bekanntschaft mit Koalas, Kakadus und Kängurus zu machen, sondern einen echten „Tasmanischen Teufel“ zu Gesicht zu bekommen. Zumindest findet man ihn in Stein gemeißelt, auf den Fassaden betagter Gebäude, mit Restaurants, Pubs, Antiquitätengeschäfte und Souvenirläden, die das gemütliche Stadtbild von Hobart bilden.

GC_Kingston_Beach, TasmanienGemütlich präsentiert sich auch der Kingston Beach Golf Club, in dessen Baumkronen sich weiße und bunte Kakadus ein Stelldichein geben. Das erste Loch geht steil abwärts, mit Blick auf das Meer. Danach verläuft der Kurs flach entlang eines Flusses, der ab und zu die Fairways kreuzt. Zum 18. Loch geht es dann wieder steil bergauf, Richtung Clubhaus. Doch keine Angst, man muss nicht schwer atmend hinaufkraxeln – ein Förderband, das noch einmal Aussicht auf einen Teil dieser idyllischen Anlage bietet, bringt Golfspieler samt Ausrüstung bequem zum letzten Abschlag. Alles ganz easy!

Sydney. Dann endlich –sehnsüchtig erwartet, obwohl es fast schon das Ende der Reise bedeutet – kommt Sydney. Die Decks füllen sich bereits im ersten Morgenlicht, um nicht die Einfahrt in den weit verzweigten Naturhafen zu verpassen, der zu den prächtigsten auf Erden gehört. Überspannt mit einer der größten Bogenbrücken der Welt und einem Opernhaus, das ein architektonisches Wunder darstellt.

Oper und Brücke von Sydney

Vor den Toren der Stadt, dort, wo Captain Cook im Jahre 1770 offiziell Australien entdeckt hatte, liegt der New South Wales Golfclub. Seit 1928 kommen Golfer hierher, um diesen typischen Links-Course zu spielen, den Golfplatzarchitekt Dr. Alister MacKenzie mit englischen Pot-Bunkern und kleinen, welligen Grüns bestückt hat. Extrem kurz gemähte Fairways, Schluchten die überspielt werden müssen, blinde Abschläge und Wind aus wechselnden Richtungen, bieten weitere Herausforderungen. Wenige Layouts bieten so viel Abwechslung im Verlauf einer einzigen Runde. „La Perouse“, wie man den Platz auch nennt, liegt im Ranking der Weltbesten auf Platz 34. Greg Norman ist stolz, hier Mitglied zu sein. So wie die Passagiere der Europa jedes Mal stolz sind, wenn sie auf „die schönste Yacht der Welt“ zurückkehren.