gleneagles2_470_01Schottland liebt man für seine Natur, seine Geschichte, seine Bewohner und vor allem für seine Golfplätze. Dass das Land auch für Feinschmecker die Reise lohnt, wissen nur Eingeweihte. Wer die genussvollste Seite des Nordens in Großbritanniens entdecken will, beginnt am besten in einem der zahlreichen kleinen und großen Luxushotels des Landes.

 

Das Schottland-Klischee des kontinentalen Europäers sitzt: Burgen, Whisky, raues Klima, bezaubernde Landschafte, freundliche Menschen und berühmte Golfplätze. Hervorragende Küche zählt gemeinhin nicht dazu.

Doch es gibt  eine hierzulande wenig bekannte kulinarische Tradition in Schottland. Es ist die Küche, wie sie in den Jagdzimmern herrschaftlicher Landsitze und in den Salons opulenter Stadthäuser geschätzt wird. Eine Küche der Oberschicht. Es ist eine Kochkunst, die von der kontinentaleuropäischen gar nicht so verschieden ist. Sie lebt von erstklassigen Zutaten, deren natürlicher Geschmack so wenig wie möglich überdeckt wird. Die besten Stücke von Rind, Lamm, Reh, Schwein oder Fisch werden oft einfach im Ofen gegart und mit allenfalls milden, auf keinen Fall dominanten Soßen serviert.

gleneagles_470Die verwendeten Zutaten spiegeln die geografische Vielfalt des Landes wider. Aus dem Hochland stammt das „Aberdeen Angus“, eine der besten Rinderzüchtungen der Welt. Aus den kalten Gewässern der Nordsee kommen Steinbutt, Scholle, Seezunge und Heilbutt. Aus den vom Golfstrom erwärmten Fischgründen der Westküste Krustentiere, Hummer, Krabben, Muscheln und Scampi. Und aus den kristallklaren Flüssen Lachs und Forelle von berühmter Qualität.

Wer vor Ort erleben will, was die führenden Köche des Landes aus diesen Zutaten machen – und wer es sich leisten kann –, steigt am besten in einem der zahlreichen, exzellenten Luxushotels ab. Fast immer zählen die Küchenchefs der Restaurants dieser Häuser zu den besten in ganz Schottland. An erster Stelle steht natürlich das Restaurant von Andrew Fairlie, dem Namen gebenden Spitzenkoch im legendären Gleneagles Hotel. Es ist das einzige Restaurant in Schottland, das zwei Michelin-Sterne trägt. Daneben bietet Schottland insgesamt 13 Restaurants mit einem Michelin-Stern. Drei davon sind: Inverlochy Castle, Boath House und Knockinaam Lodge. Diese Hotels sind, wie auch das Gleneagles, übrigens nicht nur wegen ihrer Küche die Reise wert, sondern auch, weil hier Geschichte, Ambiente und kulinarischer Genuss zu einem ganz eigenen, typisch schottischen Erlebnis verschmelzen. Und selbstverständlich hat jedes dieser Häuser herrlich Golfplätze vor der Tür.

centenarycourse_470Das Gleneagles ist ein 5-Sterne-Luxushotel in der Nähe der Ortschaft Auchterarder, etwa eine Stunde von Edinburgh entfernt, und bietet die Möglichkeit, auf drei Plätzen zu spielen, die zu den besten der Welt zählen. Neben der Herausforderung von King's-, dem stillen Reiz von Queen's- und dem unvergesslichen Wee Course (neun Löcher) gibt es den von Jack Nicklaus entworfenen, einzigartigen PGA Centenary Course.   

 

 Gleneagles

Das 1924 im Stil eines französischen Châteaus errichtete Hotel, liegt inmitten eines malerischen, fast 350 Hektar großen Anwesens. Wer in diesem prächtigen Haus bei Andrew Fairlie zu Gast ist, genießt nicht nur schottische Küche mit starken französischen Einflüssen, sondern spürt dabei auch den Verve der Goldenen Zwanziger wie an kaum einem anderen Ort in Schottland

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Noch etwas weiter zurück versetzt fühlt man sich im Inverlochy Castle. Das romantische Fünf-Sterne-Schlosshotel in idyllischer Landschaft in der Nähe von Fort William stammt aus dem Jahr 1863 und begeisterte bereits die englische Königin Victoria I., die 1873 hierher kam, um Abseits des Londoner Trubels in perfekter Ruhe zu zeichnen und zu malen. Ölgemälde, Himmelbetten, Deckenmalerei, schwere Kristallleuchter, prunkvolle Salons: Alles im Schloss beschwört eine große, längst vergange Epoche.

Zum Diner wird in eines der drei Speisezimmer gebeten. Man sitzt umgeben von wertvollen Möbeln, die der König von Norwegen einst als Geschenk machte, blickt hinaus in die verzauberte Highland-Landschaft und lässt seinen Gaumen erklären, wofür das Restaurant einen Michelin-Stern und drei rote Rosetten der britischen Automobil Association erhalten hat. Küchenchef Philip Carnegie bezeichnet seinen Stil als „moderne britische Küche“.  Die Zutaten sind unverkennbar schottisch: Krabben von der Isle of Sky, Garnelen aus Loch Linnhe, Steinbutt und Seebarsch, Wild und Fasan. Zur Verdauung empfiehlt sich dann eine Runde auf dem kniffligen 18-Loch Platz des Fort William Golf Clubs. Doch Sie werden nicht nur Gefallen daran finden, dass der Platz Sie auf die Probe stellt; Sie werden auch den Reiz und die Herrlichkeit der Landschaft um Lochaber genießen.

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Weiter nördlich, in Auldearn, einem kleinen Dorf unweit von Inverness, findet man das Boath House. Das kleine Landhaushotel steht inmitten eines acht Hektar großen, liebevoll gestalteten Landschaftsgartens mit Wiesen, Wäldchen, Wasserläufen, verschlungenen Wegen und sonnigen Sitzecken. Mehr als 30 Golfplätze sind weniger als eine Autostunde vom Hotel entfernt, darunter auch Royal Dornoch in Sutherland. Als die heutigen Eigentümer, Don und Wendy Matheson, das historische Anwesen Anfang der 1990er Jahre entdeckten, war es vom Verfall bedroht. Erst seit 1997, nach jahrelanger und aufwendiger Restaurierung des Gebäudes – Baujahr 1825 – und seiner Außenanlagen, wird das Haus als Hotel betrieben und ist heute mit seinen nur fünf Zimmern und drei Suiten ein beliebtes Hideaway für Ruhe suchende Gäste aus dem In- und Ausland. Sein Restaurant gilt als eines der zehn besten in ganz Schottland. Letzteres ist vor allem Küchenchef Charlie Lockley zu verdanken, der sich seit Anfang an dem Hotel verbunden fühlt und die Leidenschaft der Mathesons für den Slow-Food-Gedanken sowie die Verwendung von regionalen und biologisch angebauten Zutaten teilt. Der Küchengarten des Hotels spendet Früchte, Kräuter und Gemüse für seine preisgekrönten Gerichte. Auch der Honig kommt aus eigener Produktion.Fisch und Meeresfrüchte werden täglich fangfrisch von Fischern der Westküste geliefert. Fleisch und Käse stammen von lokalen, biologisch landwirtschaftenden Erzeugern. Als charakteristisch für Lockleys Stil gilt die Verwendung von Wild und wild wachsenden Zutaten sowie deren traditionelle Zubereitung. Jüngster Glanzpunkt seiner Karriere: Im Jahr 2009 ging Lockley bei den Scottish Chef Awards, dem prestigeträchtigsten Wettbewerb für Schottlands Spitzenköche, in der Kategorie „Scottish Chef of the Year“ als Gewinner hervor.

knockinaam_lodge_470Eine ebenfalls preisgekrönte Küche findet man    ganz im Süden Schottlands, an einem einsamen Küstenabschnitt im Bezirk „Dumfries and Galloway“, wo 32 Golfplätze zur Auswahl stehen, darunter der beliebte Solway Links. Mittendrin steht die Knockinaam Lodge, ein elegantes, viktorianisches Landhaus aus dem Jahr 1869, das einst von Lady Hunter-Blair als Ausgangs-  punkt für die Jagdausflüge der englischen High Society erbaut wurde. Zu den berühmtesten Gästen des Hotels zählen Sir Winston Churchill und General Eisenhower, die sich ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkrieges hier aufhielten um, wie man vermutet, die Landung der Alliierten in der Normandie vorzubereiten. Auch in der Literatur hat das Haus seinen Platz gefunden. Es spielt eine kleine Rolle im 1915 erschienen Kriminalroman „Die neununddreißig Stufen“ des schottischen Schriftstellers John Buchan. Ein Stoff, der mehrmals verfilmt wurde. Die berühmteste Adaption stammt von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1935. Mit seinen neun Zimmern ist Knockinaam, wie auch das Boath House, eines der kleinsten Luxushotels des Landes. Und auch hier hat es stets talentierte Küchen- chefs gegeben, die dem Hotelrestaurant mit Kreativität und Hingabe überregionale Strahlkraft verliehen haben. Bereits seit 1988 trägt das Restaurant des Knockinaam einen Michelin-Stern – so lange wie kaum ein anderes Gourmetlokal in Schottland. Der Hüter des Sterns ist seit 1994 Tony Pierce. Vor seinem Engagement im Knockinaam war der heutige Chefkoch bereits im Gleneagles und im Inverlochy Castle tätig. Seine Gerichte sind kunstvolle und minimalistische Präsentationen lokaler Spezialitäten. Man fragt sich, was einen Koch von Pierce’ Kaliber in einem kleinen, abgelegenen, wenn auch luxuriösen Landhotel hält. Wer einmal ein Dinner im Knockinaam erlebt hat, weiß es vielleicht: Es muss die Landschaft sein. Diese Zutaten gibt es nur hier.